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Gefürchtet und bestaunt - Vom Umgang mit dem Fremden im Mittelalter


Heike Geratz-Bodewig, 19.12.2008

bu1616_Mittelalter.jpg Frank Meier

Gefürchtet und bestaunt
Vom Umgang mit dem Fremden im Mittelalter


Thorbecke Ostfildern 2007. Pappband 13x21,5 cm: 176 Seiten, 16 Farbtafeln, Literaturverzeichnis. 22,90 €

Das Fremde entsteht zwischen dem Eigenen und dem Anderen (siehe Der Trotter 130 und 131) . Während die heutige Zeit bemüht ist, die Grenzen dazwischen zu verwischen und das Fremde daher nicht zulassen mag, wurde im Mittelalter das Eigene vor dem Hintergrund von Traditionalität und Autorität genau präzisiert. Der einem zugekommene Platz ist ein Leben lang zu akzeptieren. Das abweichend Andere war daher nah und kam weniger häufig aus der Ferne. Wenn das Nahe schon: Juden, Hexen und Ketzer bot wurde das unbekannt Fremde leicht zum Monster: Gegenfüßler, Menschen mit Hundeköpfen und andere Tier-Mensch-Kreaturen. Ein spannender Ansatz.
Die Farbtafeln zeigen eindrucksvolle Beispiele, welches Bild sich die abendländisch-christliche Gesellschaft vom Fremden machte und grausige Beispiele, wie sie damit umging. Derjenige, der sich in die Welt des Anderen wagte: über den Zaun kletterte und in die Wildnis ging, war der fremde Eigene, spätere Generationen nannten ihn Abenteurer. Der Abenteurer wurde vom Ritter des Frühmittelalters zum merchant adventurer zum Entdecker, Erforscher und Reisenden. Auch das ein spannender Ansatz.
Zu allen Facetten des Fremden bietet das Buch eine Vielzahl von Zitaten aus zeitgenössischer Literatur. Das zeugt von gewaltigem Sammelfleiß. In der Einleitung dankt der Autor der Lektorin des Verlags, die das Manuskript erst habe lesbar werden lassen. Lesbar ist es, gewiss, sogar sehr gut, aber das Gerüst von rund 50% Zitaten läßt wenig Raum für weitere Inhalte. Das Buch will gefallen, den Leser faszinieren und nicht anstrengen und so tänzeln die Gedanken oberflächlich um ein Zitat und trippeln dann schnell weiter zum nächsten, ohne nach Tiefe zu suchen. Die Fülle der überaus interessanten Beispiele wird aber nur kurz gedeutet und kaum in einen größeren Zusammenhang gestellt, bleibt beschreibend. Eine Analyse deutet sich lediglich im Vorwort an und im Ausklang und zeigt, daß der Autor durchaus mehr zu sagen hätte.


Norbert Lüdtke (Archiv zur Geschichte des Individuellen reisens AGIR) www.reisegeschichte.de
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