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Weltreise 1900 in farbigen Bildern


Heike Geratz-Bodewig, 11.03.2008

MARC WALTHER, SABINE ARQUÉ

Weltreise 1900 in farbigen Bildern

1. Auflage (=Portrait dùn monde en couteurs. Paris 2006, Deutsch von Jutta Orth), Gerstenberg Hildesheim 2007. Pappband mit Umschlag 28x21 cm: 384 Seiten, 314 farbige Abbildungen, Register 44 €

Um 1900 gab es zwar schon Touristen, doch nur einen sehr begrenzten Tourismus. Mehr als heute fehlte es an Zeit und Geld. Dem armchair-Trveller öffneten sich dagegen völlig neue Welten mit der Erfindung der Photochromie, dem Vorläufer der Farbfotografie. Heute würde man es ein High-Tech-Verfahren nennen, es war teuer und aufwendig und nur Fotografen, deren Blick durch die Malerei geschult war, durften die Vorlagen liefern, die als druckwürdig angenommen wurden.

Bereits nach dem ersten Blick in diesen Band entschlüpft dem Betrachter ein »Booaaahh«. Wer professionelle, alte Schwarzweißfotos kennt, weiß von der Eindringlichkeit solcher Aufnahmen; sie enthalten scheinbar mehr Details als heute üblich. Das liegt sicher auch daran, daß die Aufnahmen nicht spontan entstanden, sondern überlegt entstanden. Bei den hier enthaltenen Fotos kommt hinzu, daß sie auf eine andere Art farbig sind die heutigen Farbfotos. Die Rottöne erscheinen wärmer, die Blautöne kälter, die Kontraste sind prägnanter, die Farbigkeit eindringlicher, künstlicher. Zum Schluß des Buches wird das Druckverfahren beschrieben.

Viele Fotos erscheinen wie gemalt und bewegen sich im Grenzraum zwischen Foto und gemaltem Bild. Im Allgemeinen ist es doch so: Fotos erscheinen uns objektiv, sie haben Beweiswert; Malereien entspringen der Phantasie des Künstlers. Beides stimmt natürlich nicht, wie es fotorealistische Malerei und künstlerische Fotografie zeigen. Die hier abgedruckten photochromen Bildern bewirken Ähnliches, sie irritieren. Vom Thema her zeigen sie die Welt im Foto und behaupten so eine absolute Objetivität. Die offenkundige Inszenierung der Bilder und ihre übernatürliche Farbigkeit offenbaren jedoch den Blick des Künstlers. Zwei Frauen im Tschador in einer einsamen Altstadtgasse. Sie posieren für den Fotografen: Wer würde sich heute ein solches Bild offen trauen? Solche Fotos erscheinen ehrlicher als unsere heutige Schnappschußobjektivität.

Doch ganz gleich, ob Foto oder Ölbild: War die Welt wirklich so, wie die Fotografen es 1900 sahen? Mag sein. Im Kapitel Deutschland finden wir Schloß Neuschwanstein, die Loreley, den Kölner Dom, das Schwarzwälder Bauernmädel mit Bollenhut und Gebetbuch ...

Das Team, dem dieses Buch zu verdanken ist, beeindruckt: Marc Walter, Graphiker und Photograph hat seine Photochrom-Sammlung, eine der bedeutendsten der Erde, für dieses Buch geöffnet. Christian Laucou ist Typograph und Spezialist für traditionelle Druckverfahren.
Hier könnt Ihr das Buch im Shop unseres Mitgliedes bestellen:
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