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Fenster zur Parallelwelt - Reisebilder und Fernwehgeschichten
Heike Geratz-Bodewig, 17.02.2008
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MARTINA BACKES (HG.)
Fenster zur Parallelwelt
Reisebilder und Fernwehgeschichten
1. Auflage (=Reihe), Informationszentrum Dritte Welt Freiburg/Breisgau 2006. Broschur 16,5x23,5 cm: 224 Seiten, zahlreiche Textabbildungen, teils farbig. 15 €
No hassle, fixed price.
Was dem Titel nach ein Science Fiction sein könnte, entpuppt sich als Sammlung von Reiseerlebnissen meist bekannter Autoren, von Mary Kingsley bis Jon Krakauer. Ausgewählt und zusammengestellt wurden die Texte in sieben Kapiteln: Vor der Reise; Being there; Exotik extrem; How much? Entdecken-Erobern-Erholen; Migration & Tourismus; Nach der Reise. Entsprechend finden sich also auch reflexive Texte, etwa von Alain de Botton über Erwartungen. Insbesondere zwischen den Beiträgen erwarten den Leser die Bilder der Wanderausstellung »Beyond paradise. Stationen des touristischen Blicks«.
Der in der Gliederung kaum erkennbare Ansatz wird durch die bildhaften »Blickfänger« viel leichter verständlich, denn sie zeigen deutlich, in welchen Situationen sich Touristen und Einheimische begegnen, etwa als Konsumenten und Produzenten. Der frühere, einseitige tourismuskritische Ansatz wird durch Texte und Bilder relativiert. Reisende und Bereiste, Touristen und Dienstleister, touristische Quell- und Zielländer - solche Zuordnungen sind weder so einseitig noch so dauerhaft, wie dies tourismuskritische Modelle früher darstellten. »Fenster zur Parallelwelt möchte durch die Konfrontation mit anderen, ungewohnten Perspektiven neue Einblicke und Ausblicke auf die komplizierten Beziehungen ... ermöglichen ... oder als Spiegelungen einen Blick zurück auf die eigene Bilderwelt über die Fremde werfen.«
Unbestritten ist ja, daß die einen (Touristen) in eine Urlaubswelt flüchten, von der sie ein völlig falsches Bild haben und dafür bezahlen, daß dieses falsche Bild während des Urlaubs heil bleibt. Ebenso unbestritten ist, daß die anderen (Migranten) in eine Wirtschaftswelt flüchten, von der sie ein ebenso falsches Bild haben, daß sie sich ebenfalls nicht kaputt machen lassen. Beide suchen in der Fremde etwas, das sie in der Heimat nicht haben. Manche volbringen das Kunststück, in beiden Welten zu leben. Schlaglichtartige Einsichten in diese Verhältnisse zeigt das Buch.
Angenehm ist das lockere Layout trotz des ernsten Themas. Weniger locker ist der sprachliche Ausdruck einer vermutlich ideologischen Haltung, der sich in den Wortschöpfungen »ReisendeR, TouristInnen und DienstleisterInnen« wiederholt zeigt.
Hier könnt Ihr das Buch im Shop unseres Mitgliedes bestellen:
laender-reisen-abenteuer.de
Norbert Lüdtke & Archiv zur Geschichte des Individuellen Reisens
www.reisegeschichte.de
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