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Zu Besuch bei Don Otavio - Eine mexikanische Reise


Heike Geratz-Bodewig, 17.12.2007

SYBILLE BEDFORD

Zu Besuch bei Don Otavio
Eine mexikanische Reise


Mit einem Vorwort von Bruce Chatwin. Aus dem Englischen von Christian Spiel (A Visit to Don Otavio. A Traveller's Tale From Mexico) SchirmerGraf Verlag München 2007. Leinenband mit Schutzumschlag und Lesebändchen. 12,5x20,5 cm: 432 Seiten, 24,80 €

»Ich hatte ein paar Jahre in den Vereinigten Staaten verbracht und war im Begriff, nach Europa zurückzukehren. Ich hatte großes Verlangen nach einer Ortsveränderung, wollte eine andere Sprache hören, neues Essen kennlernen; wollte in einem Land mit einer langen, häßlichen Geschichte und so wenig Gegenwartsgeschichte wie möglich leben. Kurzum, ich sehnte mich danach zu reisen.«

Sybille Bedford entschied sich für Peru und landete in Mexiko, unvorbereitet, in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg. Ihr erstes Buch erschien 1953 und machte sie berühmt. Nicht, weil die Reise so abenteuerlich gewesen wäre. Sondern weil diese Frau gemächlich reiste, fasziniert die kleinsten Facetten der Fremde beobachtete, darüber nachdachte, was sie erlebte und alles stilvollendet niederschrieb. Hätte sie gemalt, wäre dieses Buch voller Aquarelle. Auf den ersten Blick »nett«, leicht und ein Kunstwerk, das den Blick auf Details lenkt, die dennoch für das Ganze stehen, liebevoll beobachtend auch das, was ihr nicht gefällt. Das »man sieht nur, was man weiß« hat Sybille Bedford über die Maßen kultiviert, denn ihre Bildung benutzt sie als Mittel, hinter dem Vordergründigen einen Blick auf das nicht so offenkundige zu werfen.

Eigentlich also ein völlig unzeitgemäßes Buch, mir kommt es stilistisch vor wie aus dem 19. Jahrhundert, doch eines, das dem Leser hilft, lesend zur Ruhe zu kommen, Muße zu finden. Dazu paßt es auch, daß der Verlag das Buch dankenswerterweise in Leinen hat binden lassen. Völlig zeitgemäß ist es, etwa als sie die Tarasken beobachtet, über deren Leben nachdenkt und es mit der modernen Welt (1953!) vergleicht. Solche Fragen stellen wir uns heute auch. Wer langsam lesen möchte, feinen Humor und einen kultivierten Ausdruck zu schätzen weiß, der wird dieses Buch sicher genießen können.

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Norbert Lüdtke & Archiv zur Geschichte des Individuellen Reisens
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