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Tagebuch der ersten Expedition zu den Quellen des Missouri
Heike Geratz-Bodewig, 03.08.2007
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Meriwether Lewis & William Clark
Tagebuch der ersten Expedition zu den Quellen des Missouri,
sodann über die Rocky Mountains zur Mündung des Columbia in den Pazifik und zurück,
vollbracht in den Jahren 1804-1806
1., auf 3600 Exemplare limitierte, numerierte und mit einer Beilage versehene Auflage (=Reihe).
Ausgewählt, übersetzt und herausgegeben von Friedhelm Rathjen, Frankfurt am Main: Zweitausendeins: 2003.
Halbleinenband mit Fadenheftung und Lesebändchen 12 x 17 cm: 654 Seiten. 42,80 €
Reproduktion der 1814 erschienen Karte, nahezu im Format der Originalausgabe, als gefaltete Beilage
Anhang mit Nachwort, Bibliographie und Lexikon/Glossar
"s'ss ein dolles=buch: dás=mal, ´con´genial, ins Deutsche übersetzt! (Zeit würz allmählich.)" schreibt Arno Schmidt in Zettels Traum, und dieses sei "1 der Großen Reisen der Menschheit" gewesen.
Womit schon beide herausragenden Aspekte dieses Werkes genannt sind: Seine Bedeutung für die Geschichte des Reisens und seine sprachliche Bedeutung. Das, was Sprachkünstler Schmidt mühsamselig schuf, leisteten die Tagebuchschreiber unfreiwillig: mit ihrer Reise taten sie sich was an, mit ihrem Tagebuch taten sie der Sprache was an:
»5. September 1805 (Clark): ein Wolkiger Morgen wir versammelten die Häuptlinge & Krieger und Sprachen zu ihnen (unter großen Schwerikeiten da das von uns Gesagte über Mehrere Sprajen gehen mußte bevor es bei ihrer ankam, welches eine gurgelige Art von Spraje ist, stark aus dem Hals heraus gesprochen) wir teilten ihnen mit wer wir waren, wo wir her Kamen ...«
Der Übersetzer hatte es sicher nicht leicht, das völlig verquarkte Englisch unter völliger Mißachtung der Neuen Deutschen Rechtschreibung in ein ebenso verquarktes Deutsch zu bringen. Man kann Spaß beim Lesen haben, allerdings wird längeres Lesen schon eine ziemliche Herausforderung: »kongenial übersetzt ... eine sprachschöpferische Eigenleistung«, WDR).
Um 1800 bildete der Mississippi die Westgrenze der USA, dahinter lag französisches Territorium, das zuvor die Spanier den Indianern weggenommen hatten. Dieses Land jenseits des Mississippi war den Weißen bis zur Pazifikküste weitgehend unbekannt. 1803 gab der amerikanische Präsident Thomas Jefferson den Auftrag zur Erforschung dieses Gebietes. Nachdem die USA den Franzosen für 15 Millionen Dollar das Land bis zu den Rocky Mountains abgekauft hatten, wollte man sich wohl genauer anschauen, was man nun sein Eigen nannte. Ein Trupp von 30-40 Mann brach auf. Als sie nach zweieinhalb Jahren wieder zurückkamen kamen, hatte man sie bereits für tot gehalten. Die persönliche Leistung der Truppmitglieder war enorm, denn die Expedition dauerte doppelt solange wie erwartet. Fast alle kamen zurück; es gab nur einen Toten, der vermutlich an einem Blinddarmdurchbruch starb.
Politisch betrachtet war dies die Landnahme und Aneignung eines gewaltigen Raumes für die USA, es war die Vorbedingung für die Landnahme durch die Siedler.
Diese Expedition wurde zum bis heute gefeierten Mythos, sie gehört zum US-amerikanischen Selbstverständnis.
Norbert Lüdtke (Archiv zur Geschichte des Individuellen reisens AGIR) www.reisegeschichte.de
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