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Krinoline bleibt in Kairo


Norbert Lüdtke, 29.10.2004

1481_DieKrinolinebleibtinKairo.jpg BARBARA HODGSON

Die Krinoline bleibt in Kairo
Reisende Frauen 1650 bis 1900


2. Auflage, Aus dem Englischen von Dörte Fuchs, Jutta Orth und Gisela Sturm.(No Place for a Lady, 2002) Hildesheim: Gerstenberg 2004. Pappband mit Umschlag und Fadenheftung 14 x 23 cm: 216 Seiten, mit zeitgenössischen Abbildungen reich illustriert, oft farbig, 14 Landkartenausscnitte, Anmerkungen, Literaturhinweise, Register 24

»Ein Mann ist auf Reisen nur als Gepäckaufsicht zu gebrauchen, aber wir reisen am liebsten ohne Gepäck.« Mich würde ja mal interessieren, ob diese Ansicht von Emily Lowe (Unprotected females in Norway) vom weiblichen Teil der dzg-Mitglieder geteilt wird?!
Barbara Hodgson begab sich auf die Suche nach Frauen, die vor 1900 reisten- und wurde verblüffend häufig fündig. Daß eine reisende Frau die große Ausnahme war, will sie nicht gelten lassen und beschreibt in den nach Regionen gegliederten Kapiteln die Reisen von Frauen aus unterschiedlichen sozialen Schichten und Ländern. Auffällig scheint ihr, daß überdurchschnittliche britische Frauen darunter sein und auffällig ist auch, daß viele erst nach einer ersten "Karriere als Mutter" zu reisen beganen, dann allerdings so schnell nicht wieder davon ließen.

Erhellend sind die beigefügten Illustrationen, so zeigen Werbebildchen von Liebigs Fleischextrakt bereits 1880 reisende Frauen in Jalta, Algerien und Kairo. Natürlich bestimmten gesellschaftliche Erwartungen den Inhalt der publizierten Reiseberichte: die mit hygienischen Zuständen und Durchfallerkrankungen traktierten Leser waren "not amused". Als Lady Montagu schrieb, sie habe türkischen Haremsdamen ihre Schnürbrust gezeigt, gab das Stoff für einen Skandal. Ein Dauerbrenner war die Vorstellung, was wohl der Anblick nackter Männer in Afrika bei den Damen bewirkte.

Barbara Hodgson hat aus dem reichlichen Fundus jene Frauen ausgewählt, denen das Reisen Selbstzweck war, und sich auf eine zeitlichen Bereich vor dem Aufkommen des Massentourismus beschränkt. Sie entschuldigt sich dafür, daß auf individuelle Biografien verzichtet wurde, was tatsächlich schade ist: So ist das dem Buch entnommene Zitat von Emily Lowe zeitlich nicht einzuordnen, weder sind die Lebensdaten der Autorin noch die bibliographischen Angaben ihres Buches aufgeführt. (Mein Recherchetipp: Wolfgang Griep/Annegret Pelz: Frauen reisen. Ein bibliographisches Verzeichnis deutschsprachiger Frauenreisen 1700 bis 1810. Temmen 1995, 440 Seiten)

Interessant ist jedoch der Ansatz, das Buch geographisch zu gliedern und so die Eindrücke verschiedener Frauen angesichts des gleichen Reiseziels nebeneinander zu stellen.
Eine weitere Stärke des Buches ist die graphisch aufwendige Illustration, die zeitaufwendige Verzahnung von Text- und Bildelementen. Die Autorin gab damit ein schönes Beispiel ihrer Berufstätigkeit als Buchgestalterin.

Norbert Lüdtke (Archiv zur Geschichte des Individuellen Reisens AGIR) www.agir.de
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